20.000,00 EUR Schmerzensgeld nach Speiseröhrenverletzung

Wird die Speiseröhre im Verlauf einer Operation trotz fachgerechten ärztlichen Vorgehens verletzt, ist dies dann als Behandlungsfehler zu werten, wenn die Verletzung durch eine ärztliche Überprüfung der Lage der Speiseröhre während der Operation zu vermeiden war. Das Oberlandesgericht Hamm hat in diesem Zusammenhang einem Patienten, der aufgrund der Verletzung seiner Speiseröhre mehrere Monate mittels einer Magensonde ernährt werden musste und dauerhaft durch Schluckbeschwerden beeinträchtigt ist, ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 € zugebilligt.…

200.000,00 EUR Schmerzensgeld für 15-Jährige nach Nierenverlust

Wird bei einer jugendlichen Patientin die Ursache erhöhten Blutdrucks (160/100) nicht abgeklärt, ist der Hausärztin ein Befunderhebungsfehler zur Last zu legen. Kommen weitere Alarmzeichen (wie zum Beispiel mehrfache Bewusstlosigkeit) hinzu, ist die mangelnde Befunderhebung als grober Behandlungsfehler der Hausärztin zu werten. Für den Verlust beider Nieren, Dialysepflicht und 53 Folgeoperationen – darunter eine erfolglose Nierentransplantation – bei einer 15-jährigen Patientin ist dann ein Schmerzensgeld von 200.000 € angemessen.

Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 03.07.2015 – 26 U 104/14, in juris

350.000,00 EUR Schmerzensgeld bei zu spät erkannter Hirnhautentzündung

Das OLG Oldenburg hat ein Krankenhaus verurteilt, einem Kind wegen einer zu spät erkannten Hirnhautentzündung Schmerzensgeld und Schadensersatz zu leisten. Einem fünf Jahre alten Jungen waren 2011 deshalb beide Unterschenkel amputiert worden. Trotz zahlreicher Haut- und Muskeltransplantationen muss der Junge bis heute einen Ganzkörperkompressionsanzug sowie eine Kopf- und Gesichtsmaske tragen, um eine wulstige Narbenbildung zu vermeiden.

Das beklagte Krankenhaus wurde auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 350.000,-€ und Schadensersatz in Anspruch genommen.…

Schmerzensgeld nach mangelhafter Sicherungsaufklärung und Befunderhebungsfehler

Auch im Rahmen einer Sicherungsaufklärung kann es geboten sein, dass der Arzt, der sich für eine Verlaufskontrolle des Befundes entscheidet, den Patienten auf die Alternative einer aus medizinischer Sicht ebenfalls in Betracht kommenden sofortigen interventionellen Abklärung hinweist, falls beide Vorgehensweisen sich hinsichtlich ihrer Risiken oder Chancen erheblich unterscheiden. Ein solcher Fall ist im Falle eines Befundes nach BI-RADS III gegeben, da die alternativ zu einer kurzfristigen Verlaufskontrolle in Betracht kommende Stanzbiopsie als invasive Diagnostik zwar einerseits als invasiver Eingriff mit einer höheren unmittelbaren Belastung der Patientin verbunden ist, andererseits aber zuverlässiger als eine erneute Verlaufskontrolle das verbleibende – aus ex ante-Sicht: geringe – Malignitätsrisiko ausschließen kann.…

20.000 Euro Schmerzensgeld nach Bandscheiben-OP

Ein Patient kann von einem Krankenhaus 20.000 Euro Schmerzensgeld verlangen, nachdem er im Krankenhaus ohne ausreichende Aufklärung und ohne ausreichende Indikation nach der neueren Methode des Bandscheibenersatzes operiert wurde.

Das beklagte Krankenhaus hafte bereits deswegen, weil eine ausreichende Aufklärung des Klägers nicht bewiesen sei, so das OLG Hamm in seinem rechtskräftigen Urteil. Es stehe nicht fest, dass der Kläger hinreichend deutlich darüber aufgeklärt worden sei, dass die gewählte Behandlungsvariante des Einsatzes einer Bandscheibenprothese ein seinerzeit relativ neues Operationsverfahren gewesen sei.…

Schmerzensgeld wegen mangelhafter Aufklärung vor chiropraktischer Behandlung

Das OLG Frankfurt hat die Berufungsklage eines Arztes zurückgewiesen, den das LG Hanau zu einer Schmerzensgeldzahlung i.H.v. 2.000 € verurteilt hatte. Er hafte unter dem Gesichtspunkt der eigenmächtigen Behandlung, da die durchgeführte chirotherapeutische Behandlung der Halswirbelsäule nicht von einer wirksamen Einwilligung des klagenden Patienten getragen war und sich ein aufklärungspflichtiges Risiko (Bandscheibenvorfall) verwirklicht habe, so das Gericht.

Es habe nicht festgestellt werden können, dass der Beklagte vor Durchführung der Manipulation der Halswirbelsäule des Klägers mit diesem ein Aufklärungsgespräch zu Behandlungsrisiken und Behandlungsalternativen geführt hat.…

Zahnbehandlung nach unzureichender Aufklärung über andere Behandlungsmöglichkeiten muss nicht bezahlt werden

Eine kostenintensive Zahnbehandlung muss nach unzureichender Aufklärung durch den behandelnden Arzt nicht bezahlt werden. Dies gilt jedenfalls dann, wenn sich der Patient im Falle seiner ordnungsgemäßen Aufklärung über andere Behandlungsmöglichkeiten gegen die kostenintensive Behandlung ausgesprochen hätte.

Dies hat das OLG Hamm in seiner Entscheidung vom 12.8.2014, 26 U 35/13, obergerichtlich entschieden.

Der Sachverhalt:
Die heute 56 Jahre alte beklagte Patientin ließ sich von September 2007 bis Juni 2008 von einem Kieferchirurgen zahnärztlich behandeln.…

Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro nach fehlerhafter Schulteroperation

Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro nach fehlerhafter Schulteroperation
Dem OLG Hamm zufolge erscheint für den Funktionsverlust der linken Schulter nach einer nicht indizierten fehlerhaften Operation ein Schmerzensgeld von 50.000,- Euro angemessen. Bei der Bewertung als grober Behandlungsfehler kann auch berücksichtigt werden, dass die gewählte Operationsart nicht die Methode der Wahl war und selbst fehlerhaft durchgeführt worden ist.

Das OLG verurteilte eine Klinik zur Schmerzensgeldzahlung und Zahlung künftigen Schadenersatzes. Die Durchführung einer offenen Schultergelenksoperation bei der Klägerin habe gegen den ärztlichen Standard verstoßen.…

Misslungene Herzkatheteruntersuchung: 60.000 Euro Schmerzensgeld für Patientin

Misslungene Herzkatheteruntersuchung: 60.000 Euro Schmerzensgeld für Patientin
Dem Schleswig-Holsteinischen OLG zufolge gehen Zweifel bei der Feststellung der Fehlerquelle im Rahmen des Einsatzes technischen Geräts bei einer Herzkatheteruntersuchung zu Lasten des Arztes.

Im Zuge einer solchen Untersuchung war es bei der Klägerin aufgrund einer Luftembolie aus der Spülleitung zu einem Verschluss des linken Koronarsystems mit elektromechanischer Entkopplung und zu einem Infarktgeschehen im Hirn rechts gekommen. Sie musste reanimiert werden. Es wurde eine rechtshirnige Ischämie mit beinbetonter linksseitiger Hemiparese festgestellt.…

Unterlassene Sicherungsaufklärung: Arzt zur Zahlung von knapp 160.000 Euro verurteilt

Unterlassene Sicherungsaufklärung: Arzt zur Zahlung von knapp 160.000 Euro verurteilt
Das OLG Köln hat einem an Krebs erkrankten Patienten wegen fehlender Sicherungsaufklärung ein Schmerzensgeld von 150.000 Euro sowie den Ersatz von Behandlungskosten zugesprochen.

Der Kläger hatte bei seinem Internisten eine allgemeine Gesundheitsüberprüfungmit Krebsvorsorge durchführen lassen, wobei eine Koloskopie unterblieb. Später wurde anderenorts ein großes Adenokarzinom diagnostiziert und stationär entfernt; eine umfangreiche Krebsbehandlung mit Entfernung wesentlicher Teile von Lunge, Leber und Galle und Chemotherapien schloss sich an.…