Zu früh eingebrachte Langzeitprovisorien können groben zahnärztlichen Behandlungsfehler begründen

Eine zahnärztliche Behandlung, die nach einer Therapie mittels Protrusionsschienen provisorischen Zahnersatz verfrüht eingliedert, kann grob behandlungsfehlerhaft sein. In einem solchen Fall liegt ein eindeutiger Verstoß gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln bzw. gesicherte medizinische Erkenntnisse vor, der aus objektiver ärztlicher Sicht nicht mehr verständlich erscheinen kann, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf.

Der Sachverhalt:

Die Klägerin litt im Juli 2003 an Zahn- und Kopfschmerzen, als sie sich in die Behandlung des beklagten Zahnarztes begab.…

Schadensersatz nach grob fehlerhafter Hüftoperation bei einer an einer Gerinnungsstörung leidenden Patientin

Die Patientin litt an einer Gerinnungsstörung und einer Autoimmunerkrankung. Im November 2005 ließ sie im Krankenhaus der Beklagten eine Hüftgelenksoperation durchführen, bei der eine Endototalprothese implantiert wurde. Postoperativ kam es zu schweren Nachblutungen, da präoperativ von der Beklagten die Gerinnungsstörung weder diagnostiziert noch therapiert worden war. Die Frau musste wegen der Nachblutungen mit zahlreichen kostenintensiven Behandlungen stationär und auch intensivmedizinisch versorgt werden.

Die Gerinnungsstörung der Patientin sei fehlerhaft nicht diagnostiziert und behandelt worden, obwohl die anamnestischen Angaben und die pathologischen Blutwerte hierzu Veranlassung gaben.…

BGH: Bejahung eines abgrenzbaren Teils des Gesundheitsschadens bei Mitverursachung der Gesundheitsverletzung

Der Kläger hatte bei seiner Geburt vor Jahrzehnten einen schweren gesundheitlichen Schaden erlitten und die daran Beteiligten sowie den Träger des Belegkrankenhauses verklagt. Es wurde gerichtlich festgestellt, dass die Beklagten dem Kläger als Gesamtschuldner sämtliche Schäden zu ersetzen haben, die dem Kläger anlässlich und aufgrund der Behandlung durch die Beklagten nach seiner Geburt entstanden sind und noch entstehen werden. Allerdings wurde der verursachte Schadensanteil auf 20% begrenzt. Weitere 80% des Gesundheitsschadens seien während der Geburt schicksalhaft eingetreten.…

Unterlassener Hinweis auf Standardtherapie hat Schadensersatzpflicht zur Folge

Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 25.02.2014 – 26 U 157/12, rechtskräftig

Beim klagenden Patienten diagnostizierte der beklagte Hautarzt ein Basalzellkarzinom an der rechten Wange. Auf Anraten des Beklagten entschied sich der auch zu einer Operation bereite Kläger für eine fotodynamische Therapie, die durchgeführt wurde. Einige Jahre später trat die Krebserkrankung erneut auf und musste in den folgenden Jahren mehrfach operativ behandelt werden. Mit der Begründung, der Beklagte habe ihn fehlerhaft mit einer fotodyna-mischen Therapie behandelt und nicht ausreichend aufgeklärt, verlangte der Kläger Schadensersatz.…

OLG Karlsruhe zum Umfang der Aufklärungspflicht bei Ligatur und Sklerosierung von Hämorrhoidalknoten bei einer sich anschließender Sepsis

Oberlandesgericht Karlsruhe, Urteil vom 09.04.2014 – 7  U 124/12

Das OLG Karlsruhe geht in seiner Entscheidung vom 09.04.2014 davon aus, dass die Vorinstanz im Ergebnis zu Recht davon ausgegangen ist, dass der Kläger mangels hinreichender Aufklärung nicht wirksam in die von den Beklagten durchgeführte Ligatur und Sklerosierung von Hämorrhoidalknoten eingewilligt hat, jedoch haften die Ärzte nicht wegen unzureichender Risikoaufklärung.
Der Kläger hätte über das zwar seltene, aber eingriffstypische, nämlich spezifisch mit der Art des Eingriffs verbundene Risiko von Infektionen aufgeklärt werden müssen.…

Unterlassen intraoperativer Bildgebung bei Verschraubung während Schulter-OP grob fehlerhaft

OLG Hamm, Urteil vom 18.02.2014 – 26 U 152/13
Positioniert ein Chirurg im Rahmen der Versorgung einer Schultereckgelenksprengung eine Schraube falsch, weil er die gebotene intraoperative Bildgebung zur Überprüfung der Bohrung unterlässt, ist die Behandlung grob fehlerhaft. Dies hat das Oberlandesgericht Hamm mit Urteil vom 18.02.2014 entschieden und dem Kläger wegen einer erforderlichen Revisionsoperation ein Schmerzensgeld von 8.000 Euro zuerkannt.
Der zum Unfallzeitpunkt 21 Jahre alte Kläger erlitt beim Fußballspielen eine Schultereckgelenksprengung Tossy III links.…

BGH, Beschl. v. 24.09.2013, VI ZB 12/13, Selbständiges Beweisverfahren in Arzthaftungssachen möglich

Selbständiges Beweisverfahren in Arzthaftungssachen: Rechtliches Interesse an einer vorprozessualen Klärung der haftungsrechtlich maßgeblichen Gründe für einen Gesundheitsschaden

Leitsatz:

Ein rechtliches Interesse an einer vorprozessualen Klärung der haftungsrechtlich maßgeblichen Gründe für einen Gesundheitsschaden durch einen Sachverständigen kann im selbständigen Beweisverfahren auch dann gegeben sein, wenn zwar die Feststellung der Vermeidung eines Rechtsstreits dienen kann, jedoch für eine abschließende Klärung weitere Aufklärungen erforderlich erscheinen.

Diese Entscheidung des BGH bestätigt die Rechtsprechung des BGH (Beschluss vom 21.

OLG Hamm Urteil v. 02.9.2013, 3 U 54/12, Heparinbehandlung ohne Aufklärung: Kein Schadensersatz bei hypothetischer Patienteneinwilligung

 

OLG Hamm Urteil vom 02.9.2013, 3 U 54/12

Heparinbehandlung ohne Aufklärung: Kein Schadensersatz bei hypothetischer Patienteneinwilligung

Haben sich bei einer Patientin im Verlauf einer therapiebegleitenden Heparinbehandlung schmerzhafte Hämatome gebildet, steht ihr ein     Schadensersatzanspruch dann nicht zu, wenn sie der – fehlerfrei durchgeführten – Behandlung auch bei ordnungsgemäßer Aufklärung zugestimmt hätte (hypothetische Einwilligung). Der Patient muss in den Fällen, in denen die Ablehnung der Behandlung medizinisch unvernünftig gewesen wäre, plausible Gründe darlegen und das Gericht davon überzeugen, dass er sich in einem echten Entscheidungskonflikt befunden hatte.…

220.000 € Schmerzensgeld wegen Darmperforation infolge einer Darmspiegelung nach unzureichender Aufklärung über die Risiken des Eingriffs

OLG Hamm Urteil vom 03.09.2013, 26 U 85/12

220.000 € Schmerzensgeld wegen Darmperforation infolge einer Darmspiegelung nach unzureichender Aufklärung über die Risiken des Eingriffs

Vor Durchführung einer Koloskopie (Darmspiegelung) ist der Patient auch über die selten auftretende Darmperforation konkret aufzuklären; der bloße Hinweis auf „unvermeidbare nachteilige Folgen“ wirkt insoweit höchst verharmlosend. Bei komplikationsträchtigem Krankheitsverlauf mit intensivmedizinischer Langzeitbeatmung, mehreren erlittenen Dekubiti, Spitzfußstellung und künstlichem Darmausgang ist ein Schmerzensgeld von 220.000 € angemessen.

[OLG Hamm PM  vom 8.10.2013]

 

Der Sachverhalt: Der Kläger stellte sich wegen Blutungen im Stuhlgang beim beklagten Facharzt für Chirurgie vor.…

Schadenersatz und Schmerzensgeld bei DePuy-ASR-Implantaten

Auf seiner eigenen Internetseite gibt DePuy an, dass von dem Rückruf Hüftsysteme betroffen seien, die im Juli 2003 auf den Markt gekommen seien, nämlich:

  • SRTM XL Hüftsystem
  • DePuy ASRTM Oberflächenersatzsystem.

Nachdem DePuy bereits mit Schreiben vom 12.03.2010 auf signifikante Revisionsraten hingewiesen hatte, wurde mit Schreiben vom 24.08.2010 der Rückruf von DePuy veranlasst.

Das Modell Ihres Implantates finden Sie in Ihrem Implantat-/Endoprothesen-Pass. Ob ein Austausch erforderlich ist, wird Ihnen Ihr Arzt sagen. Die Techniker Krankenversicherung hat für Ihre Versicherten sogar eine Hotline eingerichtet.…